Identität und Identifikation. Was wir wollen und was wir brauchen.

Das Wort Identität ist in aller Munde. Was bedeutet es eigentlich? In vielen Sprachen heißt das Wort für „Personalausweis“ „Identitätskarte“. Ist unsere Identität vorgegeben durch Namen, Geburtsdatum und Nationalität, quasi statisch und per se vorhanden? 

Nein, denn obwohl Identität Merkmale beschreibt, die uns für andere erkennbar machen, entwickelt sie sich in einem Prozess. Wir erfahren uns in unserem Lebensumfeld und legen Definitionen fest für das, was wir sind oder zu sein glauben. Dabei bewegen wir uns zwischen zwei Polen: einerseits wohltuende Bindung und Zugehörigkeit und andererseits Individualität und Freiheit.

Identität braucht Bindung und Freiheit

Für eine gesunde psychosoziale Entwicklung ist es wichtig, dass wir Bindung und Freiheit zu gleichen Teilen erleben dürfen. Das gilt auch für jede zwischenmenschliche Beziehung. Auf dem Weg zu Individualität und Freiheit ist die Erfahrung, sich mit Menschen sicher zu fühlen und stabile Bindungen zu erleben, eine wesentliche Voraussetzung. Wer sich im positiven Sinn gebunden fühlt, spürt, wohin und zu wem er gehört und kann von dort aus gestärkt weitere Facetten von sich und der Welt kennenlernen. Es steckt viel Wahrheit darin, dass es ohne Wurzeln keine Flügel gibt. So verstanden sind Bindung und Freiheit keine Gegensätze, sondern sie brauchen sich gegenseitig.

Wenn Sicherheit fehlt

Nun ist es in ganz vielen Fällen so, dass wir diese Sicherheit mit der Welt, anderen und daher auch mit uns selbst nicht zur Genüge erfahren konnten oder können, dass Entwicklungsprozesse gestört wurden, Beziehungen abbrachen, Trauma ins Spiel kam oder wir einfach das Gefühl entwickelt haben, dass es so wie wir sind, nicht reicht. In einer Welt voller Leistungsdruck und Mangelerleben ist das sehr naheliegend. Da wird es dann oft schwierig mit der eigenen Identität. Viele Menschen können eine solche nicht spüren oder sind mit dem unzufrieden, was sie von sich wahrnehmen.

Warum wir uns identifizieren

An dieser Stelle bietet uns die Gesellschaft verschiedenste Möglichkeiten und Versprechen an, die eigene Identität loszuwerden, sie zu erweitern oder quasi eine neue, bessere zu bekommen.  Hier kommt die Identifikation ins Spiel. Wenn wir uns mit einem neuen Style, einem gewissen Auftreten, einem Statussymbol, einer Aufgabe oder Rolle, bestimmten Erfolgszahlen, den "richtigen" Leuten, dem richtigen Hilfsmittel oder den besten Drogen verbinden, dann meinen wir, dass alles anders und gut wird. Auch wir selbst. Diese Versprechen erscheinen leicht erreichbar und schaffen Hoffnung. Denn in der Regel wollen wir alle für uns selbst und andere erkennbar und damit identifizierbar sein. Und schwupps, haben wir etwas zu uns hinzugefügt, das da eventuell gar nicht hingehört.

Stabilität entwickeln

Wenn ich das, was ich als "Ich" definiere und wahrnehme, nicht mag, wäre es  ein hilfreicher Schritt zu fragen: "Warum mag ich mich eigentlich nicht? Liegt es an Zuschreibungen, die ich angenommen habe? Stimmen diese überhaupt? Ist das, was und wer ich glaube zu sein tatsächlich ich? Nehme ich einfach nur zu wenig über mich wahr? Glaube ich die falschen Sachen? Glaube ich vielleicht nur etwas, womit ich mich fälschlicherweise identifiziert habe und weiß überhaupt nicht, was mich wirklich ausmacht?

Wir sind so abgelenkt von all den Dingen "im Außen", dass wir in der Regel gar nicht auf die Idee kommen, dass in unserem Innern tatsächlich Schätze zu bergen sind. Meistens glauben wir genau daran nicht mehr. Und das öffnet dem Sich-Identifizieren Tür und Tor.

Spüren und Fühlen  

Wir verwechseln also das Identifiziert-Sein sehr oft mit dem Bewusstsein für die eigene Identität. Durch unsere Sozialisation nehmen wir sehr viele Bilder in uns auf und nehmen Vorbilder an, um unser Sein in der Welt zu stabilisieren. Letztlich ähnelt das den Rollenspielen von Kindern. Wir nehmen eine bestimmte Rolle ein, um zu erleben wie das so ist und geht. Und dann vergessen wir, wieder aus ihr auszusteigen. Die Zeit, in der wir leben, ermöglicht und erlaubt praktisch jeden Entwurf einer neuen Quasi-Identität. Auf der einen Seite gibt uns das enorme sogenannte Freiheiten. Auf der anderen Seite ebenso viele Möglichkeiten, das eigenes Wesen zu schwächen oder zu verlieren und uns selbst nicht mehr zu spüren.

Deshalb lade ich dich ein, zurückzufinden zu dem, was dich im Innern ausmacht, was sich natürlich, schön, wahr und mit dir selbst verbunden anfühlt. Hierin kannst du Erfüllung, Sinn und die Freiheit finden, die dir erlaubt, mehr von dir selbst und schließlich ganz dich selbst zu leben. Es lohnt sich! 

Wenn du dabei Unterstützung brauchst, nimm gern Kontakt mit mir auf.