Wenn es um das Thema Freiheit geht, wird meistens darüber gesprochen, wovon man frei sein möchte aber ganz selten, wozu oder wofür. Warum ist das eigentlich so? Und funktioniert es überhaupt, von etwas frei sein zu wollen?
Von Freiheit sprechen die meisten Menschen, weil sie sich unfrei fühlen und diesen Zustand nicht mögen.
Wenn ich gesundheitlich leide, gerade verlassen wurde, die immer wiederkehrenden Themen nicht gelöst bekomme ...., dann will ich in der Regel einfach nur von dem befreit sein, was mich plagt und sehne einen besseren, freieren Zustand herbei. Ich habe die frustrierenden Umstände satt und tendiere meistens dazu, sie dann auch abzulehnen. Doch aktuell gehört das Ganze noch zu mir. Und mit der ablehnenden Haltung lehne ich auch mich und meine Umstände in Teilen ab. Und das, was ich NICHT will bewirkt oft nur noch mehr Fokus auf das Unerwünschte. In diesem Zustand befinde ich mich in Unfreiheit, denn ich bewege mich zwischen den Polen unangenehmer Ist-Zustand und gewünschter Soll-Zustand. Gibt es hier eine Lösung?
Zwischen zwei Polen gibt es keine Freiheit
Als Menschen sind wir es gewohnt, uns aus der Dualität heraus zu erfahren: warm-kalt, eng-weit, schön-hässlich. Zwischen zwei gegensätzlichen Polen spannen wir damit ein Feld auf und das, was dort passiert, nennen wir "Leben." Innerhalb dieses Feldes ist Freiheit ein Gegenentwurf zum Gebunden-Sein oder ein Konzept, das man entwickelt, weil sich etwas nicht gut anfühlt. Bietet so ein Feld Raum für die Erfahrung von Freiheit?
Ziele entwerfen
Wenn ich mit etwas unzufrieden bin kann mir die Frage „Was will ich wirklich?” weiterhelfen. Und damit ist gemeint: „Was will ich langfristig wirklich? Kann ich auch in einer aktuellen Notsituation eine Perspektive entwickeln, die über den Mangel hinausweist, den ich empfinde, der mich einschränkt und unfrei macht?”
Für manche Menschen ist die Frage "Was will ich wirklich?" sehr schwer zu beantworten. Einige haben gar keinen Zugang zu ihrem Willen. Manchen ist er tatsächlich abhanden gekommen. Es kann z.B. sein, dass wir unseren Willen in der Kindheit verlieren, wenn uns verboten wird, ihn auszudrücken oder wenn er sogar von jemandem gebrochen wird. In dem Fall kann es lohnenswert sein, sich seinen Willen zurückholen. Das ist möglich.
Für andere Menschen liegt die Hürde darin, dass sie sich selbst nicht mehr spüren können. Sie sind gut darin zu funktionieren - oftmals für die Interessen anderer und nicht für die eigenen. Auch für sie ist die Frage "Was will ich wirklich?" schwierig. Hier kann es sich lohnen, sich achtsam auf die Spur von tiefen Wunden zu begeben, diese nach und nach wahrzunehmen und liebevoll zu integrieren. Manchmal ist es gut, sich dafür von jemandem Unterstützung zu gönnen, der damit viel Erfahrung hat.
Für die Meisten scheint es möglich und auch selbstverständlich zu sein, Ziele zu entwerfen und an ihnen dran zu bleiben. Schließlich lernen wir schon in der Schule, Lernziele zu erreichen. Das hilft uns allerdings oft nicht dabei, eigene Ziele zu verfolgen, denn diese brauchen ja statt Druck und Zwang, den Freiraum, etwas wirklich für sich selbst und aus eigenem Interesse heraus zu entwerfen.
Bedürfnisse und Sehnsüchte erkennen
Wenn ich meinen eigenen, wahren Bedürfnissen und Sehnsüchten auf die Spur kommen kann, und mir erlaube, dass diese die Grundlage für meine Ziele sind, habe ich gute Chancen, diese auch zu erreichen. Da helfen Fragen wie:
Wofür, wobei und wann ...
- finde ich Sinn und Erfüllung?
- fühle ich mich wirklich glücklich oder zufrieden?
- habe ich das Gefühl, dass es sich für mich lohnt, zu leben?
Freude schafft innere Freiräume
Wenn ich darauf eine Antwort habe und weiß, was mir Freude macht, kann ich eine Beziehung zu dieser Freude herstellen. Sie ist wie eine Art Springbrunnen, aus dem heraus ich die Freude schöpfe und sie mich. In solchen Momenten bin ich frei von Bewertungen und Gedanken über mich selbst, bin ganz im Tun oder im Sein oder beides in einem. Hier entstehen zweckfreie Räume. Hier herrscht Freiheit. An Kindern können wir das gut beobachten.
Das geht auch in Zeiten der Not. Auch da ist es möglich, parallel zum Schmerz, der Frustration oder dem Mangel etwas zu finden, das mir Freude bereitet. Manchmal reicht ein Gedanke oder ein Gefühl. In solchen Augenblicken transformiert sich das Unangenehme und ein innerer Freiraum entsteht. Wenn es mir gelingt, das bewusst wahrzunehmen und wert zu schätzen, kann ich es pflegen und ausbauen. Damit kreiere und definiere ich mein eigenes Feld, in dem Zwänge und die Meinung anderer an Bedeutung verlieren. Dieses Feld existiert unabhängig von den Polen "unfrei und frei", "schlecht und gut" usw.. Es kann zu einer Art Springbrunnen werden, der sich aus meiner Entscheidung speist, das was ist, anzunehmen. Das heißt nicht unbedingt, es für gut zu befinden, sondern mir den Freiraum zu gönnen, darin handlungsfähig zu sein oder es zu werden. Es ist ein "Ja" zu mir selbst, meine Entscheidungs-Freiheit, WIE ich mit den Dingen umgehe. Damit schenke ich mir innere Freiheit, die mir ermöglicht, mehr von mir selbst zu leben. Und damit ermächtige ich mich, mein Leben selbst zu gestalten und immer freier zu sein.